Andrea Leitner und Nadja Bergmann haben in ihrer Studie „Künstliche Intelligenz und Geschlechterdifferenzen in Österreich“ untersucht, was das für Österreich bedeutet und hier die zentralen Ergebnisse zusammengefasst.
Die fortschreitende Entwicklung Künstlicher Intelligenz verändert die Arbeitswelt grundlegend – von der Automatisierung von Arbeitsabläufen über neue Anforderungen an Qualifikationen und Kompetenzen bis hin zum Einsatz von KI in Auswahl- und Rekrutierungsprozessen. Aus feministischer Perspektive stellt sich die Frage, wer KI entwickelt und welche Perspektiven dabei berücksichtigt werden. Denn Entwickler neigen dazu, ihre eigenen Lebensrealitäten und Vorstellungen unbewusst auf die Allgemeinheit zu übertragen („Similar-to-me“-Bias; Günther 2016). Eine geringe Diversität in der KI-Entwicklung kann dazu führen, dass bestehende Geschlechterstereotype und gesellschaftliche Ungleichheiten, die in Wort und Bild im www ohnehin dominieren, in Algorithmen reproduziert werden. Dies birgt das Risiko, dass sich Benachteiligungen von Frauen auch in KI-gestützten Entscheidungen widerspiegeln und sich ihre Beschäftigungs- und Einkommenschancen verschlechtern (West et al. 2019).
Die Studie „Künstliche Intelligenz und Geschlechterdifferenzen in Österreich“, erstellt von L&R Sozialforschung und dem Institut für Höhere Studien im Auftrag der Geschäftsstelle für digitale Kompetenzen, liefert dazu eine Bestandsaufnahme. Sie unterstützt die Initiative „She goes AI“, die mehr Frauen für KI gewinnen und ihre Beteiligung an der Entwicklung dieser Zukunftstechnologie stärken will.

Frauenanteile, eigene Darstellung, Q: Hochschulstatistik (Statistik Austria), Sonderauswertung KI-relevanter Studien des BMBWF,
Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung (Statistik Austria), Lazzaroni & Pa (2024)
Als „KI-Talente“ werden in Literatur KI-Fachkräfte bezeichnet, die in Berufsklassifikationssystemen aber nicht eindeutig zuordenbar sind.
Für die Erhebungen der KI-Talente wird in Studien beispielsweise auf die Selbstdarstellungen in LinkedIn zurückgegriffen. Intermediäre Berufe sind beispielsweise Entscheidungsträger:innen mit KI-Verantwortung, die KI in bestehende Systeme integrieren, für die es keine geschlechterdifferenzierten Daten gibt.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich die geschlechtsspezifische Segregation aus den MINT- und IKT-Bereichen im Feld der KI fortsetzt (siehe Abbildung): Nur rund 20 % der Absolvent:innen KI-relevanter Universitätsstudien sind Frauen und stimmt damit weitestgehend mit dem Frauenanteil bei MINT- und IKT-Studienabschlüssen überein. Ein ähnliches Bild ergibt sich auf Basis verfügbarer Daten für die KI- bzw. IKT-Berufsfelder: der Frauenanteil liegt derzeit bei rund 20 %. Das heißt, nur rund ein Fünftel der KI-Expert:innen ist weiblich. Insgesamt kann also eine deutliche Unterrepräsentation von Frauen festgestellt werden, wobei eine leichte Zunahme der Frauenanteile gegenüber ähnlichen Erhebungen von vor rund 10 Jahren positiv zu vermerken ist.
Frauenanteile, eigene Darstellung, Q: Hochschulstatistik (Statistik Austria), Sonderauswertung KI-relevanter Studien des BMBWF, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung (Statistik Austria), Lazzaroni & Pa (2024)
Als „KI-Talente“ werden in Literatur KI-Fachkräfte bezeichnet, die in Berufsklassifikationssystemen aber nicht eindeutig zuordenbar sind. Für die Erhebungen der KI-Talente wird in Studien beispielsweise auf die Selbstdarstellungen in LinkedIn zurückgegriffen. Intermediäre Berufe sind beispielsweise Entscheidungsträger:innen mit KI-Verantwortung, die KI in bestehende Systeme integrieren, für die es keine geschlechterdifferenzierten Daten gibt.
Die Weichen für diese Ungleichheit werden bereits früh gestellt: Während Mädchen und Burschen im Volksschulalter ähnliche KI-relevanten Kompetenzen aufweisen, öffnen sich die Unterschiede ab der Sekundarstufe und setzen sich in Ausbildung und Beruf fort.
Die Entwicklung eines grundlegenden Verständnisses rund um KI sowie der Neugierde, sich damit auseinanderzusetzen, hängt nicht nur von entsprechenden Fachausbildungen ab, sondern auch davon, ob Gelegenheit des Ausprobierens und Zugänge bestehen. Hier stellen sich die Bedingungen am Arbeitsplatz durchaus unterschiedlich dar: in männerdominierten Sektoren kommen KI-Technologien häufiger zum Einsatz, womit auch die Auseinandersetzung und Entwicklung von Kompetenzen stärker gegeben ist.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Unterrepräsentation von Frauen im KI-Bereich Ausdruck struktureller Ungleichheiten ist. Da KI zunehmend Entscheidungen in der Arbeitswelt beeinflusst, ist eine vielfältige Beteiligung an ihrer Entwicklung nicht nur eine Frage der ökonomischen Gleichstellung, sondern auch der Qualität und Fairness von KI-Systemen. Neben Initiativen wie „She goes AI“ braucht es daher gleichstellungspolitische Maßnahmen entlang des gesamten Bildungs- und Erwerbsverlaufs – von der Förderung digitaler Kompetenzen über den Abbau von Geschlechterstereotypen bis hin zu verbindlichen Standards für diskriminierungsfreie und transparente KI-Anwendungen.
Autorinnen: Andrea Leitner und Nadja Bergmann
Die Studie zum Download gibt es hier!
She goes AI – Digital Austria ist eine Initiative der Bundesregierung unter der Schirmherrschaft von Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und Staatssekretär Alexander Pröll. Weitere Infos hier!
Foto: ThisisEngineering/Unsplash

