Christine Mayrhuber, 24. Mai 2026
Wie bereits vor rund einem Vierteljahrhundert vom BEIGEWUM [BEIGEWUM (2002): Frauen macht Budgets. Staatsfinanzen aus Geschlechterperspektive. Wien, Mandelbaum Verlag] systematisch herausgearbeitet wurde, ist Budgetpolitik in Zahlen gegossene Gesellschaftspolitik. Da Frauen und Männer unterschiedliche sozioökonomische Positionen in Wirtschaft und Gesellschaft einnehmen, ist Budgetpolitik stets auch Frauenpolitik. Sowohl die Struktur von Budgetausgaben und Budgeteinnahmen als auch deren Veränderungen, insbesondere im Zuge von Budgetkonsolidierungsmaßnahmen, wirken sich auf Frauen und Männer unterschiedlich aus und können Frauen teilweise stärker betreffen als Männer.
Eine aktuelle WIFO-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer [Schratzenstaller, M., Bock-Schappelwein, J., Mayrhuber, C. (2026) Gleichstellungswirkungen von Budgetkonsolidierungen] zeigt diese grundlegenden Wirkungskanäle ausgaben- und einnahmenseitiger Konsolidierungsoptionen sowie deren Auswirkungen auf die Gleichstellung von Frauen und Männern auf. Ausgangspunkt sind ausgeprägte Gender-Gaps zum Nachteil von Frauen als Einkommensbezieherinnen, Sorgearbeitenden und Vermögensbesitzerinnen sowie ihre stärkere Abhängigkeit von öffentlichen Leistungen. Budgetkonsolidierungsmaßnahmen treffen Frauen und Männer daher unterschiedlich, da sich ihre Wirkungen über die jeweiligen sozioökonomischen Rollen und Positionen manifestieren.
Die Autorinnen zeigen, dass sich Konsolidierungsmaßnahmen sowohl in Form absoluter Ausgabenkürzungen als auch durch den konsolidierungsbedingten Verzicht auf einen bedarfsgerechten Ausbau öffentlicher Leistungen manifestieren können. Wird etwa der steigende Bedarf an Pflegedienstleistungen nicht gedeckt, wird dieser Mangel überwiegend durch unbezahlte Sorgearbeit kompensiert. Ein Faktum, das sich im Zahlenwerk des Bundesbudgets nicht unmittelbar ablesen lässt, jedoch die Gleichstellungsdefizite weiter vergrößert. Sichtbar werden hingegen Kürzungen von Geldleistungen, da Frauen aufgrund ihres im Durchschnitt geringeren Einkommens relativ stärker belastet sind als Männer. Auch Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienstleistungsbereich sowie eine restriktive Beschäftigungspolitik treffen Frauen stärker, da dort überwiegend mehr Frauen als Männer beschäftigt sind.
Um die vielschichtigen Wirkungen unterschiedlicher Budgetkonsolidierungsmaßnahmen sichtbar zu machen und einen gleichstellungsorientierten Ansatz zu konkretisieren, wurden in der Studie übersichtliche Handreichungen entwickelt, beispielsweise für den Bildungsbereich: Werden öffentliche Leistungen im Pflichtschulbereich reduziert, besteht die Gefahr, dass Bildungs- und Betreuungsaufgaben wieder vermehrt in den privaten Haushalt verlagert werden. Kürzungen von Sachleistungen im Bildungsbereich können – wie während der COVID-19-Pandemie – Frauen stärker betreffen, da sie im Rahmen bestehender geschlechtsspezifischer Arbeitsteilungen häufiger als Ersatzleistende fungieren (rot). Da der Frauenanteil unter den Beschäftigten im Bildungssektor höher ist, können Kürzungen von Sachleistungen, auf den Beschäftigungsanteil der Frauen bzw. deren Einkommen negativ auswirken (rot). die sich auf Beschäftigung oder Arbeitsbedingungen in diesem Bereich auswirken, Frauen zudem stärker betreffen als Männer.

Quelle: Schratzenstaller et al. 2026, Abbildung 15, S.40. Legende: Rot kennzeichnet Bereiche, in denen Frauen stärker betroffen sind als Männer; orange kennzeichnet Bereiche, in denen Frauen und Männer ähnlich stark betroffen sind; grau markiert Nicht‑Relevanz.
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