Gender-Blick auf die Fehlzeiten in Österreich: Frauen sind häufiger im Krankenstand als Männer – mit zunehmendem Alter noch deutlicher, bedingt durch Mehrfach- belastung aus Erwerbsarbeit, Sorgearbeit und verkürzten Erholungsphasen.

Im Jahr 2025 waren unselbständig Erwerbstätige in Österreich im Schnitt an 4,1 % ihrer Jahresarbeitszeit krankheitsbedingt abwesend. Umgerechnet auf ein ganzes Jahr entspricht das 14,7 Krankenstandstagen pro unselbständig erwerbstätiger Person.

Bis zum Jahr 2008 lag die Krankenstandsquote der Frauen niedriger als jene der Männer, seit 2010 liegt die Quote der Frauen durchgehend über jener der Männer. 2025 gingen 4,2 % der Jahresarbeitszeit bei Frauen durch Krankheit verloren, bei Männern waren es 3,9 %. Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied bei Arbeiter:innen und Angestellten: Arbeiterinnen weisen mit 5,4 % eine höhere Quote auf als Arbeiter (4,9 %), bei Angestellten liegt der Abstand bei 3,9 % zu 2,9 %. Unselbständig erwerbstätige Frauen hatten also im Schnitt 15,5 Krankenstandstage, Männer 14,1 Tage.

Ab dem 35. Lebensjahr steigt die Krankenstandsquote deutlich an und erreicht in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen mit 7,4 % nahezu das Doppelte des Durchschnittswerts. Da die Quote bei Frauen bereits ab dem 25. Lebensjahr durchgehend höher liegt als bei Männern, treffen die steigende Frauenerwerbsbeteiligung und das steigende Regelpensionsantrittsalter auf eine Bevölkerungsgruppe, deren erhöhtes Krankheitsrisiko in der bisherigen Diskussion kaum berücksichtigt wurde.

Die strukturelle Konzentration von Frauen in körperlich und psychisch belastenden Berufsfeldern – insbesondere im Pflege-, Erziehungs- und Dienstleistungsbereich – ist mit hoher emotionaler Arbeitsbelastung, Präsentismus-Druck und geringer Autonomie verbunden. Hinzu kommen geschlechtsspezifische Belastungsfaktoren außerhalb der Erwerbsarbeit, da Frauen durch unbezahlte Sorgearbeit außerhalb der Erwerbstätigkeit mehrfach belastet sind, was ihre Erholungszeiten deutlich verkürzt. Diese Mehrfachbelastung aus Erwerbsarbeit, Sorgearbeit und verkürzten Erholungsphasen trägt wesentlich zur steigenden Krankenstandsquote bei.

Die gewünschte und notwendige Arbeitsmarktintegration von Frauen bis zum Regelpensionsalter 65 gelingt nicht ohne mehr Kreativität in der Arbeitsplatzgestaltung – und ohne den Mut, die vielschichtigen, andauernden Belastungsfaktoren endlich spürbar zu reduzieren.

Autorin: Christine Mayrhuber

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Foto: Kelly Sikkema auf Unsplash