In herausfordernden Zeiten zeigt sich ein bekanntes Muster: Gleichstellung rückt plötzlich wieder in den Hintergrund. Ob Pandemie, Teuerung oder Budgetdebatten – immer wieder werden Gleichstellungsfragen als „nachrangig“ behandelt.
Gleichstellung ist kein Nebenschauplatz. Sie ist ein zentraler wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Erfolgsfaktor. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt in ihren Berechnungen: Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen kann das Wirtschaftswachstum pro Kopf deutlich steigern – in nordischen Ländern um bis zu 0,4 Prozentpunkte pro Jahr (Is the Last Mile the Longest? Economic Gains from Gender Equality in Nordic Countries).
Auch das European Institute for Gender Equality (EIGE) sieht für Österreich großes Potenzial: Eine stärkere Arbeitsmarktpartizipation von Frauen könnte die Wirtschaftsleistung bis 2030 um 2,5 Prozent erhöhen, langfristig – bis 2050 – sogar um bis zu 8 Prozent.
Fehlende Gleichstellungspolitik ist nicht nur sozialpolitisch problematisch – sie hat auch ökonomische Konsequenzen. Gleichstellung ist kein Luxus für gute Zeiten, sondern vielmehr Voraussetzung für Wachstum, Innovation und soziale Stabilität. Wenn Gleichstellung vernachlässigt wird, schwächt das die Wirtschaft.
Eine anhaltende „Gleichstellungs-Rezession“ verschärft damit auch die wirtschaftliche Rezession. 2026 darf nicht das Jahr werden, in dem Gleichberechtigung erneut auf Pause gestellt wird. Daher: Gleichstellungsrat jetzt, um diesem Stillstand entgegenzuwirken.

